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Boston Marathon 2018 - eine Grenzerfahrung

Der Boston Marathon stand wirklich noch auf unserer To–do–list.

Schließlich ist der älteste Stadtmarathon der Welt, wohlmöglich der traditionellste und er gehört zu den 6 Major Marathons.Hinzu kommt, dass man sich für Boston qualifizieren muss, es sei denn, man lässt sich Jahre vorher auf eine Liste der Reiseveranstalter–Anbieter setzen und bezahlt dafür.

Qualifikation für Boston heißt, man muss innerhalb der letzten zwei Jahre eine bestimmte Marathonzeit seiner Altersklasse entsprechend vorweisen. Dies wird von B.A.A. geprüft und man wird auserwählt.

 

Dies ist alles bereits im September passiert, so dass wir unseren Trip in Ruhe planen konnten.

Am Freitag flogen wir also von HH über München nach Boston und natürlich war der Flieger voll mit aufgeregten Läufern hauptsächlich aus Österreich, Italien und Süddeutschland. Die Ankunft war relativ entspannend. Kirsche und Olli fuhren in ihr Hotel, ich in meine Airbnb Unterkunft bei Einheimischen.

Am Samstagmorgen war noch der traditionelle 5k run, den aber nur Kirsche und Olli mitverfolgten. Ich habe ihn schlichtweg verschlafen. Kirsche sagte nur, dass sie selten so ein schnelles Feld von Läufern gesehen hat. Welcome to BQ. Danach trafen wir uns auf der Messe, wo wir ohne irgendwelche Warteschlangen von total freundlichen Menschen unsere Startunterlagen erhielten. Natürlich haben wir uns noch diverse Merchandising Dinge gekauft.

Das Boston Finisher Jacket und das eine oder andere Paar Schuhe musste einfach mit. Schließlich war es der Boston Marathon, den man lief. Das Wetter war sowohl am Samstag als auch am Sonntagnoch ziemlich ok. Es war zwar kalt und windig und die angrenzende Nähe zum Atlantik sorgte dafür, dass die Kälte feucht war.

Tragischerweise waren die Wetteraussichten für den am Montag, nämlich am Patriot´s Day, stattfindenden Lauf mehr als grausam. Es sollte regnen und sehr windig werden. Wir hofften immer noch auf ein Wunder und ich habe diese Ankündigungen fast ignoriert.

Die Temperaturen pendelten sich bei knapp über null Grad ein, dazu andauernder Starkregen und Sturmböen mit 60h/km. Ich entschloss mich dazu eine kurze Triathlonhose anzuziehen, ein langes Skinfit–Unterhemd und eine Windjacke, unterstützt von einer Daunenweste, die ich aber im Startbereich wegwerfen wollte. Die Daunenweste habe ich übrigens erst nach dem Zieleinlauf weggeworfen.;-)

Auf dem Kopf hatte ich ein Stirnband, darüber eine Cap, darüber die Kapuze der wasserundichten Windjacke und darüber die Kapuze dieser Weste. Viel zu große Handschuhe, die ich bei Marathon Sports, dem Laden überhaupt in Boston, erhalten habe, sollten mich auf den ersten km begleiten. Zum Glück habe ich am Vorabend noch etwas von Ersatzschuhen gelesen. Hmmm – ich musste also vorm Start ein Paar Schuhe anziehen, die ich am Start gegen trockene Laufschuhe tauschen sollte. Also weg mit den ollen Salomon Tretern.

Ich traf mich morgens mit einer HongKong Chinesin, die ich im Coffeeshop einen Tag zuvor kennengelernt habe, und fuhr gemeinsam mit ihr in die City. Verückterweise war ich trotz wasserdichtem Poncho vom NY Marathon, Jogginghose etc. schon bei Abgabe der Wechselklamotten total durchnässt. Schnell in die wartenden Schulbusse, vielleicht könnte man sich dort noch etwas aufwärmen. Das fing ja gut an. Natürlich kommen bei solchen Aussichten auch Überlegungen auf, gar nicht erst an Start zu gehen. Aber das war natürlich absurd, denn wirwaren ja in Boston und nicht irgendwo in Deutschland.

Extra hingeflogen, um dieses Ding zu rocken. Meine Freundin Kirsche konnte ich leider unter all den in Plastiktüten eingehüllten Startern nicht ausfindig machen. Es ging in einer riesigen Kolonne von zig Schulbussen zum Start nach Hopkinton – the place where it all starts. Durch das extrem beschlagene Fenster könnte ich deutlich Schneereste erkennen und da wurde mir langsam klar, dass ich wohlmöglich mit einer kurzen Hose doch falsch angezogen war.

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Aber es war leider zu spät. Unser Bus hielt und entließ uns in eine waiting zone, in der man knöcheltief im Matsch versank. Mein Gott war ich froh, dass meine Laufschuhe noch trocken in einer Plastiktüte ruhten. Nur wo sollte ich sie anziehen? Es goss in Strömen und es gab im Prinzip keine Möglichkeit die nassen Füße von nassen Socken zu befreien, um dann in trockene Socken und Schuhe zu schlüpfen. Also waren binnen Sekunden die trockenen Schuhe auch nass. Jetzt war eh alles egal. Ich bewegte mich durchnässt, etwas genervt und vor allem frierend in Richtung Start und plötzlich überquerte ich wohl die Startlinie und los ging es.

Es war etwas anders als bei allen bisher gelaufenen Marathons, da man einfach plötzlich so loslief. Es wurde nicht gewartet bis die gesamte Blue Wave versammelt war. Aber ich war froh, dass ich loslaufen könnte, denn normalerweise wird mir nach ca. 1–2km warm. Dieses Mal sollte es aber so sein, dass meine abgestorbenen Füße erst nach 10km wieder zu spüren waren, warm wurde mir überhaupt nicht und nach ca. 30k wurden auch noch meine Finger steif vor Kälte.

Natürlich war trotz dieses Wetters das Publikum – ebenfalls eingehüllt in Plastiktüten und Funktionszeugs – amerikanisch jubelnd dabei. Es war unglaublich! Es wurde zum Teil auf den Veranden der Holzhäuser gegrillt, 2 kleine Mädchen jubelten uns sogar im Badeanzug zu. An Stimmung sind sowohl der NY als auch Boston Marathon unübertroffen. Leider konnte ich es nicht so recht genießen, da mir die Beine abfroren und ich wirklich Angst hatte vor Muskelkrämpfen und Unterkühlung. Ich beobachtete wie viele Läufersich in medizinische Hände begaben und wohlmöglich den Lauf beenden mussten.

Die für den Boston Marathon berüchtigten Steigungen habe ich gar nicht richtig wahrgenommen. Ich hatte nur die heisse Dusche im Kopf, die ich nach dem Zieleinlauf, in Kirsches Hotelzimmer nehmen wollte. Die letzten 15km hat mich mein Kopf ins Ziel gebracht, meine Beine liefen nur noch langsam. Es war unmöglich schneller zu laufen. Es ging einfach nicht. Während eines solchen Laufs unter diesen Bedingungen fragt man sich tatsächlich, was man da eigentlich macht und warum man sich solchen gesundheitlichen Risiken aussetzt.
Eine fette Erkältung war vorprogrammiert, wenn nicht noch mehr.

Es sind tatsächlich viele Dinge, die einem durch den Kopf schießen. Aber man ist nicht allein und das ermöglicht einem doch, den Marathon zu finishen. Auf der Zielgeraden war ich nur froh, dass das Zieltor in ca. 500m vor mir lag. Gleich war der Drops gelutscht. Im Ziel angekommen (4:09) half man mir gleich in einen Poncho, hängte mir die Medaille um und gab mir einen Verpflegungsbeutel. Ich wühlte meine abgegebenen Sachen hervor und machte mich auf die Suche nach dem Hotel von Kirsche und Olli. Ich wusste, dass Kirsche schon fertig war mit Duschen, schließlich ist sie deutlich schneller (3:43) unterwegs als ich.

Überall standen frierende Marathonläufer, derer sich angenommen wurde und die sich wirklich überall (im Kino, im Möbelladen, im Café) umziehen durften. Die Stimmung war toll, trotz des mit Abstand schlimmsten Wetters, was ich und wohl auch viele andere je erlebt haben.

Im Nachhinein waren wir stolz den Marathon in welcher Zeit auch immer beendet zu haben, denn unter solchen Bedingungen ist jeder Finisher ein Held. Das schlimmste Wetter seit 40 Jahre. Von 30.000 Startern sind ca. 26948 gestartet und 25746 (95,5%) haben gefinished. 2500 Läufer mussten medizinisch betreut werden. 25 der Profis sind ausgestiegen, Arne Gabius hat bei km 15 schon aufgehört.

Die Siegerin ist 2:39 gelaufen, der schnellste Mann war bei 2:15 im Ziel. Mit diesen Zahlen weiß man ungefähr, dass es etwas außergewöhnlich war. ;-)

Das Finisher–Bier hinterher lässt alle Strapazen vergessen. Als ich nach einem gemeinsamen Dinner in meine Airbnb Unterkunft zurückfuhr, saßen meine Gastgeber voller Sorge auf dem Sofa und erwarteten mich. Sehr süß, denn sie haben wohl in den news gehört, wie viele  medizinische Ausfälle es bei diesem Marathon gab.

Dorit Benske, 24.04.2018

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